Archiv der Kategorie ' nähkästchen '

Deutsche Zustände aufmischen!

Statt vieler Worte und langer Sätze einfach das Mobibanner und der Standart-Film… Hin da! Klaro?
20 jahre rostock

p.s.: Neien! Ich kann hier nicht ausm Nähkästchen plaudern, denn sooo alt bin dann doch wieder nicht… ;)

früher…

ja früher gabs nach der alljährlichen silvio-meier-demo noch ordentlich rabatz in der kreutzigerstraße. also nicht so bullenrandale, wo die punker auf ner kreuzung den schlagstock abbekommen, sondern rabatz im besten sinne…
dieses wochenende nun also wieder demo:
sm

radikales world wide web

während aktuell dran gebastelt wird, das internet nicht nur per razzien, sondern auch technisch per filterlisten zu zensieren, möchte ich etwas verspätet anlässlich des 20 jahrestages der geburtsstunde des www an das wohl erste transparent auf einer linksradikalen demo erinnern, auf dem eine internetadresse stand. heute ist das ja was alltägliches: gruppen, kampagnen oder selbst offene zusammenhänge haben ne mail-adresse und ne internetseite oder wenigstens nen blog. die werden dann natürlich auch auf sämtliche veröffentlichungen, wie flyer, plakate und eben auch transparente gepackt, denn man will ja das die dem projekt geneigten menschen mit einem kontakt aufnehmen oder sich schlicht weiter informieren können.
das erste transparent auf einer linksradikalen demo (und wahrscheinlich auf einer demo überhaupt) mit einer internetseite drauf wurde am 16.12.95 durch hamburg getragen. anlass der demo waren u.a. hausdruchsuchungen und verhaftungen gegen menschen, denen vorgeworfen wurde an der erstellung und verbreitung der linksradikalen zeitschrift radikal beteiligt gewesen zu sein. auf dem transparent waren dann für die meisten anwesenden eher unverständliche hieroglyphen zu lesen und es dauerte ne weil, bis sich rumgesprochen hatte, das es sich dabei um ein „internetadresse“ handelt, unter der die letzten ausgaben der bösenbösen radikal angeguckt werden können – wenn man denn einen computer und zugang zu diesem ominösen internet hat. es handelte sich somit auch um ne ganz praktische aktion gegen die durchsuchungen, denn so wurden die verbotenen inhalte, die ja auslöser der staatsaktion gewesen waren, weiter verbreitet und dem zensurvorhaben ein schnippchen geschlagen:
radikal-transparent
die demo selber war mit 5000 leuten gut besucht und weil die cops auch damals schon die innenstadt absperrten und damit die demo extrem einschränkten wurde sie kuzerhand aufgelöst und mehr als 1000 menschen machten rabatz in der weihnachtlichen innenstadt. immer wieder formierten sich kleinere spontandemozüge mit bis zu 200 teilnehmer_innen, die dann auch ab und an aufeinandertrafen und eine kurze strecke zusammen mit dann bis zu 500 menschen zurück legten, bis sich wieder zerstreut und an anderer stelle wiedergetroffen wurde. die cops waren damit total überfordert und es ging auch einges kaputt in der glitzerglitzerwelt der einkaufsstraßen.
ein weiterer teil der recht ansehnlichen antirepressionsarbeit zu diesen verfahren bestand dann auch in einer neuen zeitung, die regelmäßig über den stand der dinge informierte. der name war passender weise „radikale zeiten„…

friedensmissionen der brd…

heute vor 10 jahren begann der kosovokrieg. mit dabei: die brd
dies war der erste kampfeinsatz der bundeswehr und dieser wurde beszeichnenderweise von einem grünen politiker mit auschwitz begründet. heute muß eine militärintervention der brd nicht mehr umständlich mit der verhinderung eines „neuen auschwitz“ oder allgemeiner mit menschenrechten gerechtfertigt werden. bei den einsätzen etwa gegen die piraten an der küste somalias gehts ganz offen v.a. darum handelsrouten zu sichern. doch bis zu diesem punkt war es ein langer weg, der mit den ereignissen 89/90 seinen anfang nahm und eben mit dem kosovokrieg etwa 10 jahre später seinen ersten vorläufigen höhepunkt hatte. die proteste damals waren zwar ab und zu vortrefflich, erreichten aber nie eine solche größe, wie etwa bei den demos von hundertausenden gegen den „irakkrieg der usa“. die deutschen waren sich bei diesem „einsatz“ von der regierung bis zur „friedensbewegung“ einige in ihrer ablehnung der intervention, bei der es ja nur um wirtschaftliche interessen gehen würde – welch überraschung in einer kapitalistisch organisierten welt. nur wenige linke schafften es dazu eine angemessene position zu entwickeln und wurden dann prompt der kriegstreiberei beschuldigt. der kurzschluß – eine kritik an der friedensbewegung sei identisch mit einer rechtfertigung des krieges selbst – war nur eine fortsetzung falscher „analysen“ und blinder flecken, wie etwa des weit verbreiteten antiamerikanismus und antizionismus in großen teilen der linken. die ganzen peinlichen peace-fahnen sind heute zum glück nicht mehr so dominant wie 2003 ff. ob die falschen „analysen“ immernoch dominant sind, läßt sich ganz aktuell in den protesten gegen die nato aufzeigen…

immomentvorbei plaudert aus dem nähkästchen

und wieder gibts eine neue kategorie – das nähkästchen!

„Die Redewendung „…aus dem Nähkästchen plaudern“ bedeutet etwas verraten oder jemandem etwas zugänglich machen, das ihm ansonsten verborgen bliebe, also Einblick in das Nähkästchen bieten.“ (wikipedia)

natürlich gehts dabei auf diesem blog nicht um irgendwas, sondern um politische ereignisse und schlagworte, mit denen die jüngeren meist nichts mehr anzufangen wissen. den anfang macht heute der „hamburger kessel“ und da kann uns auch wikipedia weiter helfen:

„Der Hamburger Kessel war ein rechtswidriger Polizeieinsatz am 8. Juni 1986 in Hamburg, der viel in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

Auf dem Heiligengeistfeld sammelte sich eine Demonstration, die von der Polizei eingekesselt wurde. Über 800 Personen wurden bis zu 13 Stunden lang innerhalb von Absperrketten der Polizei festgehalten.

Die verhinderte Demonstration war eine Reaktion auf das Verhalten der Polizei am Vortag, als ein Zug Hamburger Demonstrationsteilnehmer zum Kernkraftwerk Brokdorf im schleswig-holsteinischen Kleve angehalten wurde.

Die Einkesselung der Demonstranten begann kurz nach 12 Uhr mittags und endete erst lange nach Mitternacht, als die letzten Menschen abtransportiert und auf Polizeiwachen in ganz Hamburg verteilt waren. Während der Einkesselung wurde z.B. den Eingeschlossenen bis 17 Uhr der Gang zur Toilette verwehrt.

Im weiteren Verlauf des Tages kam es rund um das Heiligengeistfeld zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sympathisanten der Eingekesselten und der Polizei.

Laut Innensenator Rolf Lange waren die Eingeschlossenen „Gewalttäter“, „polizeibekannte Sympathisanten der RAF“, „Leute aus der Hafenstraße und so genannte Autonome“. Nach anderen Darstellungen handelte es sich um einen völlig wahllos herausgegriffenen Querschnitt durch die politische Landschaft, überwiegend aus dem „gemäßigten“ Spektrum.

Der Polizeibericht dazu meldete insgesamt 838 Ingewahrsamnahmen und 22 Festnahmen, allerdings nur 15 eingeleitete Ermittlungsverfahren, 7 davon wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Der Hamburger Kessel war Auslöser zur Gründung des „Hamburger Signals“, einer Vereinigung Hamburger Polizisten, die sich öffentlich gegen diesen Polizeieinsatz aussprachen. Aus dem Hamburger Signal ging die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten e.V. hervor.

Das Verwaltungsgericht Hamburg erklärte den Einsatz später für rechtswidrig (AZ: VG 2442/86 Datum, 30. Oktober 1986) und sprach den Eingekesselten 200 Mark Schadensersatz pro Person zu, obwohl die Forderung der Anwälte nur 100 Mark betragen hatte. Die vier verantwortlichen Polizeiführer wurden vom Landgericht Hamburg wegen 861-facher Freiheitsberaubung verwarnt. Die Verurteilung zur Geldstrafe blieb vorbehalten. (Az.: 830 Js 182/86 des LG Hamburg vom 23. Oktober 1991)“