kmer – „im namen der dose“

nach berichten auf diversen blogs, bei myspace, an anderen stellen und u.a. bei mir, gabs gestern einen ganz annehmbaren artikel zum tod von kmer alias miran im tagesspiegel. eingebettet ist das ganze in viele fakten und infos zum thema graffiti allgemein und so kommen cops und aktive genauso vor, wie blöde schadensstatistiken und storys nächtlicher streifzüge…
das schönste daran ist aber sicherlich das mrn-r.i.p.-wc:
mrn-tagesspiegel

Graffiti-Sprüher in Berlin – Im Namen der Dose
Sie observieren nächtelang, wann der Wachmann seine Runde dreht, wo die Lichtschranken sind, die Bewegungsmelder und die Kameras. Und wenn alles stimmt, krabbeln die Graffiti-Sprüher aus dem Dunkel auf die Bahnsteige Berlins wie Krebse an Land. Manchmal ist am Morgen danach ein Mensch tot.

Erst flirren die Gleise, ganz leise nur. Dann ist ein fernes Rauschen zu hören, sanft wie eine Brise an der See. Und dann ist er plötzlich da: der Zug. Donnernd jagt er am Berliner S-Bahnhof Wartenberg vorbei, Herbstlaub aufwirbelnd, und noch bevor die bunten Blätter sich wieder gelegt haben, ist er verschwunden am Horizont.

Ein kurzer, jäher Augenblick wie dieser reichte, und Miran W. war tot.

Ein Zug erwischte seinen Körper und schleuderte ihn ins Gebüsch. Der Lokführer merkte es nicht mal. Es war sicher dunkel, Miran W. war immer im Dunkeln an den Gleisen. Drei oder vier Tage lag seine Leiche dort, vielleicht länger, so genau weiß die Polizei das nicht. Sie teilte vor ein paar Wochen nur mit: „Beamte der Bundespolizei fanden gegen 15 Uhr 55 in Hohenschönhausen einen toten Mann im Gleisbett.“ Es handele sich um einen „als Graffitisprayer bekannten 31-Jährigen“.

In ganz Deutschland bekannt

In Sprüherkreisen hat die Nachricht schnell die Runde gemacht, Miran W. war in ganz Deutschland bekannt. „Er war einer der aktivsten Sprüher, die Berlin je hatte“, sagt einer, der das auch selbst ist, Sprüher, aktiv. Ein anderer meint: „Miran war einer der ‚King of Trains’.“

Von ihm, dem König der Züge, kannte man nicht den Vor- und auch nicht den Nachnamen, nicht seinen Job, nicht sein bürgerliches Leben. Man kannte ihn als „Kmer“. Das war sein Sprühername in seiner Sprüherwelt. Er stand auf Fernzügen, die an die Küste rollten oder nach Dortmund, auf U- und S-Bahnen, die sich durch Berlin schlängelten, und das war es, worauf es ankam. Mit seinen Zeichen vorkommen, das ist die Währung in dieser Welt, die sich irgendwo versteckt, die ihre eigenen Gesetze hat und ihre eigenen Helden.

So bekannt wie „Kmer“ war auch „Fräsk“, und auch der ist tot. Seinen Namen sah man an irrwitzigen Stellen, doch plötzlich war er weg, verreckt im Gleis auch er. Jedes Jahr ein Toter im Land, ein Toter aus dem Untergrund. Gestorben ist in diesem Jahr auch: ein Bundespolizist, der die Sprüher gejagt hat.

(…)

Wenn es dunkel wird, ziehen sich die Sprüher am „Yard“, der S-Bahnabstellanlage, ihre Kapuzen über den Kopf, manche tragen sogar Wollmasken, die nur die Augen freilassen. Keine der vielen Überwachungskameras hier soll ihre Gesichter filmen, sie erkennbar machen. Auch die Ohren verschwinden hinter dem dicken Stoff.

Den letzten Zug hat Miran W. nicht gehört.“

(den ganzen artikel im tagesspiegel vom 15.12.2008)


4 Antworten auf “kmer – „im namen der dose“”


  1. 1 Dieter 17. Dezember 2008 um 6:27 Uhr

    Diese Graffiti-Sprüher hängen mir schon zum Halse heraus!!!

  2. 2 im*moment*vorbei 17. Dezember 2008 um 16:35 Uhr

    spam woanders du toy!

  3. 3 joseppe 17. Dezember 2008 um 18:57 Uhr

    wow, super artikel!
    gut geschreiben :)

  4. 4 icke 11. Juni 2009 um 21:26 Uhr

    nur weil der artikel nicht so negativ ist wie normal, ist er nicht automatisch gut. hier wird wieder ein stereotypes bild gezeichnet, dass die vorstellungen derer bedient, die es nicht besser wissen. ungerne wird gelesen, dass sprüher auch ein anderes leben führen als das der wahnsinnigen, denen ausser sprühen nichts anderes wichtig ist. schwer vorstellbar, dass man als sprüher auch studieren kann (nicht nur kunst oder design), dass man einem beruf nachgeht und/oder familie hat. das schlimme ist nicht, dass die autoren zumeist keine ahnung haben, das schlimme ist, dass sie sich das aber scheinbar einbilden. zumindestens ahnung genug, sich über das thema zu verbreiten und andere zu beeinflussen. bitte einfach mal bei adorno zum thema halbwissen nachschlagen.

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