raus aus dem szenesumpf!

raus auf die straße!
!kommt zur demo am 18. juli – 18 uhr – bersarinplatz – berlin-friedrichshain!

das vorneweg, denn es geht mir hier ganz bestimmt nicht um demobilisierung. trotzdem will ich einige kritische worte zu dem antifa-aufruf zu eben dieser demo verlieren. in diesem verrennen sich nämlich die unterzeichnenden gruppen in eine sinn- und argumentationslose abgrenzung und identitätspflege, die an peinlichkeit kaum zu überbieten ist. konkret geht es u.a. um diese zwei sätze, die auch noch total zusammenhangslos im letzten teil des aufrufes zu finden sind:

„Wenn einige Leute nur dann noch zu antifaschistischen Demonstrationen gehen, wenn der „Party-Faktor“ durch die entsprechende Anzahl an Elektro-Soundsystems auf der Demo gesichert ist, muß jede_r sich fragen worum es einem selbst eigentlich geht. Nazis lassen sich nicht wegraven, genau so wenig wie der Umstand, das wir nach einem durchfeierten Wochenende am Montag wieder für die Konkurrenzgesellschaft den Buckel krumm machen müssen.“

was soll das? was wollen uns die autoren damit sagen? was wollen sie damit erreichen? eine angemessene reaktion hat dieser blödsinn schon provoziert und vielleicht lassen sich nea, jano, bernau und alb ja auch noch zu einer antwort hinreißen. bis dahin kann man nur rätseln ob es an der mischung aus zeitnot und krasser überforderung angesichts der widerlichen ereignisse lag, das nun vielviele menschen sowas lesen müssen, und/oder sich die autoren als die krassen antifakämpfer darstellen und von den blöden drogen-techno-mucke-hippies abgrenzen wollten, die es in ihren augen wohl nicht so richtig ernst meinen und drauf haben. naja, hoffentlich wissen die antifa-checker wenigstens, dass sich nazis auch nicht wegdemonstrieren lassen, genausowenig wie der umstand, das wir nach einem fetten riot am montag wieder für die konkurrenzgesellschaft den buckel krumm machen müssen…
btw: aktion gegen das jeton

doch irgendwie scheint das pflegen des „Heititeiti-Szene-Biotops“ nicht nur bei antifas gerade wieder in mode zu sein. der allseits beliebte bernd kudanek alias bjk äußerte sich letztens in einem indymedia-beitrag zur megapsree-demo ähnlich und brachte damit das zum ausdruck, was viel freiraum-aktivist_innen und autonome dachten und denken:

„Was als überwiegend politisches Bündnis linker Subkultur gegen kiezzerstörende kommerzielle Betonierung der Spreeufer begann und als „Mediaspree versenken“ in 2008 zu dem erfolgreichen aber leider rechtsunwirksamen Bürgerentscheid „Spreeufer für alle“ führte, hat sich offenbar zu einem bloßen Eigenwerbe-Bündnis von Subkultur-Abzockern aus der grün angehauchten Yuppieszene gewandelt und nennt sich jetzt in plattem Werbetexter-Sprech „Megaspree“.“

statt sich an einer inhaltlichen kritik etwa am aufruf für die megapree-demo zu versuchen, wird auch hier in erster linie die eigene identität durch abgrenzung gepflegt. so richtig zufrieden sind einige aktivisten wohl erst dann, wenn man nicht mit 8000 menschen, die nicht alle das autonome parteibuch in der tasche haben demonstrieren muß, sondern sich mit den üblichen 300 verdächtigen so richtig rebellisch fühlen und als „kleine radikale minderheit“ selber feiern kann…
btw: video zu megaspree-demo


6 Antworten auf “raus aus dem szenesumpf!”


  1. 1 kulinaria katastrophalia 15. Juli 2009 um 22:13 Uhr

    Seit wann ist Alk auf Demos saufen eigentlich eine „Erweiterung des antifaschistischen Protest“?
    Nicht, dass es das nicht auf anderen Demos gäbe, aber speziell bei der angesprochenen hat es dafür gesorgt, dass spontan beschlossen wurde, die Party zu verlassen.

  2. 2 skp 15. Juli 2009 um 23:23 Uhr

    an einer kritik des aufrufes zur megaspree demo müsste sich nicht versucht werden. aber wieso sollte man eine bürgerliche demo für das kritisieren, wofür die nunmal demonstrieren?

    wer für arbeitsplatzerhalt und laufende kulturbetriebe demonstrieren will, der soll das tun. wird ja jetzt auch nicht jede gewerkschaftsdemo kritisiert. wer da seine zerstreuung findet und regeneriert soll das tun, wenn der aus eigeninteresse das bestehende vorzieht. aber „spreeufer für alle“ oder irgend so einen mystifizierten begriff von gentrifizierung haben, gegen den man wäre, wo doch genau das bedient wird, sind, was den aufruf betrifft, blanke heuchelei.so weit sollte schon differenziert werden.

    der aufruf zur demo ist gelinde gesagt so, daß man da trotzdem hingehen und sich nicht auf die unpassende selbstverhandlung einlassen sollte.

  3. 3 Le Dernièr Cri 16. Juli 2009 um 0:17 Uhr

    ach kudanek. den kann mensch doch gar nichtmehr ernst nehmen. ich kann mich noch erinnern, wie er mal bei soner palästina soli mit andy fischer und co. (im nw-berlin bericht wurde sogar erwähnt, dass kudank auch da war) war und mich versucht hat zu fotografieren um seine antideutschen-kartei zu erweitern. aber über die antinationale parade hat er noch gut abfeiern können. da scheinen ihm die „techno-yuppies“ noch nicht gestört zu haben.

  4. 4 streetart137 16. Juli 2009 um 19:50 Uhr

    Nach dem Mordversuch von Neonazis an einem Jugendlichen am vergangenen Wochenende gibt es neben viel Empörung und Solidarität auch ein gewaltige Welle der Desinformtion. Medien, Polizei und das Jeton verbreiten ungeprüft oder wider besseren Wissens Unwahrheiten, um dem Betroffenen des Mordversuches und Zeugen eine Mitschuld zuzuschieben und die Neonazis, sowie die Disko Jeton zu entlasten. Dieser Kampagne kann nur mit gezielten und belegten Gegeninformationen und Aufklärung begegnet werden. In einem Beitrag auf der unabhängigen Nachrichtenseite Indymedia wurde nun genau das getan. Mit Hintergrundinformationen und Fotos wird der Zusammenhang zwischen den Neonazis und der Disko Jeton belegt, sowie kritisch auf die „Ermittlungsarbeit“ des Berliner LKA eingegangen. Bitte verbreitet diese Informationen im Rahmen eurer Möglichkeiten weiter – Bulletins, Blogeinträge, Mailverteiler, Foren,… Nutz alles was das Netz hergibt!
    Und kommt zur Demo am Sonnabend:
    18. Juli – 18 Uhr – Bersarinplatz – Berlin-Friedrichshain!

    Beitrag auf Indymedia:

    „Seit dem brutalen Überfall mit sogenanntem „Bordsteinkick“ (bekannt aus dem „Kinofilm American History X“) am 12. Juli in Friedrichshain versucht das Berliner LKA mit aller Macht die Tat zu relativieren, zu entpolitisieren und den verletzten AntifaschistInnen eine Mitschuld an dem Geschehen zu geben. Ein Polizeisprecher vermutete in der Abendschau auf rbb gar ein „good night white pride“-Logo habe zu dem Bordsteinkick provoziert und die Tat mit verursacht. Es kam zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen bei Antifas und Zeugen, von den beteiligten Neonazis ist hingegen wenig zu hören. Obwohl allein deren Aussagen für die Ermittlungen der Berliner LKA gegen die linken Jungendlichen herhalten müssen.
    Wir stellen fest:

    - Die verhafteten Täter gehören zu einer Neonazigang die seit Jahren in Königs Wusterhausen und Umgebung gewalttätig agiert, sich selbst als hundertprozentige Neonazis und Rassisten begreifen und in der Vergangenheit immer wieder grundlos ihre Opfer attackierten.

    Ein Blick in die einschlägigen sozialen Internet-Netzwerke belegt zudem:
    - Diese Gruppe verkehrte regelmäßig mit anderen Berlin-Brandenburger Neonazis in der Friedrichshainer Diskothek „Jeton“. Hier konnten sie offen Neonazi-T-Shirts zur Schau stellen und sich gegenseitig mit dem Hitlergruß fotografieren.

    Wir wissen: Immer wieder griffen Neonazis nach oder vor dem Jeton-Besuch Linke, Nichtdeutsche oder Homosexuelle an. Auch die Berliner Neonazis Alexander Basil, David Gudra und Christian Wolff standen erst kürzlich für einen solchen Überfall in Berlin vor Gericht.

    - Auch am Tattag war die Tätergruppe mit anderen Neonazis im bzw. vor der Diskothek Jeton. Nicht nur in der offiziellen Jetonfotogallerie finden sich bekannte KWer Neonazis. Partybilder belegen eindeutig, kurz vor der Tat hielten sich u.a. Oliver Kaplan vor und im Jeton auf, Marcel Bittner sass vor dem Jeton und zeigte Passanten den Hitlergruß.

    - Marcel Bittner fiel bereits 2003 durch neonazistische Aktivitäten auf. In Mittenwalde schmierte er Hakenkreuze und „SKIN HASS“ an eine Grundschule. An seiner Schule in Bestensee ließ er die Neonazi-CD „Zillertaler Türkenjäger“ kursieren.

    Von einer Spontantat extremistischer Jugendgewalt zu sprechen ist ein Skandal, dass Jeton war zu keiner Zeit zu Unrecht im Fokus von AntifaschistInnen. Bekannte Neonazis können hier seit Jahren offen auftreten, ihre Freizeit verbringen und sich vernetzen. Berichte von Austeigern aus der Neonazi-Szene und Beobachtungen von Szenekennern haben das mehrfach belegt. Die aktuell vorliegenden Fotos zeigen die Tatbeteiligten kurz vor der Tat u.a. mit Hitlergruß vor dem Jeton. Die gegenteiligen Beteuerungen des Jeton Betreibers Ronny Berkhan in seiner Stellungnahme unter http://www.jeton-berlin.de/ zeugen bestenfalls von mangelndem Problembewusstsein oder politischer Naivität.

    Eines ist beim Durchforsten der einschlägigen Freundeslisten, Gästebücher, Fotogallerien etc. auffällig genug:

    - Alle Beteiligten verbindet der Kult um den Film „American History X“, welchem der Bordsteinkick entlehnt ist. Er ist selbstgenannter Lieblingsfilm, das Motiv findet sich als Filmposter an der Zimmerwand, als Handybildchen, Avatar oder Bildschirmschoner immer wieder. Der Bordsteinkick war mit Sicherheit Teil der eigenen Neonazi-Identität und keine spontane Tat, die durch ein beliebtes Antifalogo verursacht wurde.

    Wer die üblichen rassistischen Standartpasswörter der Neonaziszene kennt stößt im Netz bei den Tatbeteiligten bzw. deren direktem Umfeld auf Bildersammlungen die einiges erahnen lassen: Gewaltstrotzende und menschenverachtende Bildchen gegen Linke, Farbige und Juden, Rassenhass, Huldigung von NS-Verbrechen und gemeinsames Posieren mit Maschinengewehren und anderen schweren Waffen, Hitlergrüße, Neonazidemos, Konzerte und jede Menge „white trash“.

    Falls die Fotos demnächst aus dem Netz verschwinden sollten, schicken wir eine gezippte Bilderauswahl an JournalistInnen – die wir als seriöse Berichterstatter – kennen.

    Für einen entschlossenen Antifaschismus – auf die eigene Kraft vertrauen.
    Kein Vertrauen in das Berliner LKA und den Berliner

    Haupttäter Oliver Kaplan aus Heidesee
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    Kaplan vorm Jeton 12.07.2009 3.40 Uhr (vor der Tat)
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    Marcel Bittner kurz vorher in der Kneipe neben dem Jeton
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    Bittner (rechts) und links: Michael L. (einer der Täter) aus KW
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    Kumpels mit SS-Devotionalien
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    Waffennarr mit NPD-Plakat
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    American History X in der Wohnung
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    Oliver Kaplan und Marcel Bittner im Jeton
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    Oliver Kaplan und Marcel Bittner im Jeton 2
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    Marcel Bittner
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    Nazi-Kumpels
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    Oliver Kaplan vor der Tat bei Schaumparty im Jeton (screenshot Gallerie Jeton)
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    Michael K. (einer der Täter)
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    Alle drei Täter irgendwann im Jeton“

    Die Bilder gibt es beim Beitrag unter: http://de.indymedia.org/2009/07/256283.shtml

  1. 1 Fleißiges Bienchen « Le Dernièr Cri Pingback am 16. Juli 2009 um 0:33 Uhr
  2. 2 Mit der Scheiße nicht aufhören, bis die Scheiße aufhört! « love münster – support göttingen Pingback am 18. Juli 2009 um 12:29 Uhr
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