indymedia-dokumentation II

ich habe in meinen gestrigen beitrag zu den aktionen gegen christliche fundamentalisten am 20.9. in berlin auch einen indymediabeitrag verlinkt, der sich kritisch mit der am gleichen tag stattfindenden friedensdemo beschäftigt. wie nicht anders zu erwarten (deshalb hab ich ihn auch gleich kopiert), hat die indymedia-moderation diesen beitrag schon wieder gelöscht und mein link läuft somit ins leere. obwohl der zensierte beitrag wirklich schlecht geschrieben ist und, die argumentation insgesamt viel zu kurz kommt und die vergleiche wiedermal total übertrieben sind, dokumentiere ich hier einmal mehr einen „versteckten“ indymedia-artikel. viel spaß!

No Support For Fascists – Keine 20.09 Demo

Autonömchen 08.09.2008 21:35 Themen: 3. Golfkrieg Antifa Militarismus Weltweit
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Am 20. September ist es wieder so weit: Wie auch im letzten Jahr findet in Berlin(neben Stuttgart) eine Demo statt, die den sofortigen Abzug der Bundeswehr und aller Streitkräfte aus Afghanistan fordert.
Anders als im letzten Jahr soll es diesmal auch einen „antikapitalistischen Block“ geben, unter anderem organisiert von Gruppen wie der Antifaschistischen Linken Berlin, ARAB, Libertad! Berlin und dem Soli-Bündnis für die Beschuldigten im mg-Verfahren.
Angesichts mit was für Gruppen gemeinsame Sache gemacht werden soll, mit was für Begründungen zur Teilnahme aufgerufen wird, läuft es uns kalt den Rücken runter.

Deshalb rufen wir dazu auf, dieser Demo explizit fern zu bleiben, den antikapitalistischen Block ganz fix abzusagen und sich emanzipatorischeren Aufgaben zu widmen.

Bilder des Grauens – Die Afghanistandemo 2007

Vor fast einem Jahr trafen sich in Berlin die Widerwärtigkeiten, die die deutsche Linke zu bieten hat: Fast jede stalinistische, trotzkistische, maoistische,… Sekte entrollte ihre Fähnchen, gläubige Christen buhlten mit der „Zionismus ist Faschismus“-Fraktion um Aufmerksamkeit. Deutsche AntiimperialistInnen störten sich nicht weiter an den Hisbollah-Fahnen, die Antinationalen hatten kein Problem damit unter so ziemlich allen Nationalfahnen, die von diesem Spektrum als gut angesehen werden zu marschieren und dass auch deutsche Nazis mitliefen ist dann kein qualitativer Sprung mehr.

Besser wird es nicht – Die Afghanistandemo 2008

Dieses Jahr wird dieses Ensemble des Schreckens noch durch einen antikapitalistischen Block angereichert, anonsten bleibt alles beim alten.
Den Aufrufen zu der Demo, ob von Friedens-Inis oder antiimperialistischen Autonomen, ist gemein, dass in ihrer Analyse so Begriffe wie Taliban oder Al-Kaida fast nicht vorkommen. Für das Demo-Bündnis sind sie schlicht nicht existent, sie erwähnen sie im Aufruf noch nicht einmal, damit versuchen sie den Eindruck zu erzeugen, nur der Angriffskrieg der Amerikaner sei schuld; Afghanistan wäre ohne diesen Krieg ein friedliches, demokratisches Land. Daher auch der unglaublich naive Glaube, ein Abzug würde etwas in diesem Land zum Besseren wenden. Wohl wissend, dass wenn schon ein Bündnis der mächtigsten Armeen der Welt es nicht schafft, die Taliban zu zerschlagen, dass eine auf sich allein gestellte afghanische Regierung keinen Tag an der Macht halten wird. Man kann es auch anders formulieren: Den Friedensfreunden ist ein faschistisches Regime, für das Steinigung unter Freizeitaktivität fällt, allemal lieber als ein Krieg der USA, der versucht diese Zustände zu beenden..
Um es deutlich zu sagen: Wir bringen so viel Menschenverachtung, so viel Zynismus nicht auf.

ALB goes „10-Euro-für-den-Widerstand“

Die Radikaleren in diesem Bunde sind weniger plump, dafür aber umso perfider. Sie arbeiten die Existenz der Taliban durchaus in ihre Aufrufe ein, um dann aber ihre Bedeutung abzuschwächen und plötzlich wird der Widerstand zu einer Ansammlung von „fortschrittlichen und sozialistischen Kräften“. Wir möchten nicht bestreiten, dass es dort auch möglicherweise Einäugige unter Blinden gibt, sie haben sich allerdings der Weltöffentlichkeit noch nicht präsentiert. Und selbst wenn es dort auch progressive Kräfte geben sollte, dann sind sie dermaßen marginal, dass es vollkommen irrelevant ist. Die Behauptung dient nur eurer Legitimation dafür gegen diesen Krieg zu sein. Zwar war Afghanistan 1979 das fortschrittlichste Land im Nahen Osten; die progressiven Kräfte wurden allerdings von denen, die ihr jetzt supportet, nach ihrer Machtübernahme liquidiert.
Dieser Widerstand, den ihr „legitim“ findet, wird nach der Machtergreifung wieder das tun, was er früher schon tat, die wenigen Kommunisten hängen, Homosexuelle steinigen und unter die Burka gezwungene Frauen, die sich mit einem Mann treffen das gleiche angedeihen lassen. Wenn das euer „Antikapitalismus“ ist, dann gute Nacht.

Was ihr nicht sehen wollt, ist, dass der Antikriegsprotest früherer Jahre einen fundamentalen anderen Hintergrund hatte als heute. Der Widerstand gegen den Vietnam-Krieg war gleichzeitig Unterstützung für ein sozialistisches, und damit zumindestens ein als progressiv angesehenes, Land. Jeder Widerstand in den Metropolen war ein Schritt hin zum Sieg des Sozialismus im Trikont. Heute hat der Trikont aber nur den Sieg des Klerikalfaschismus im Angebot. Deshalb taugen eure Antworten aus den 1970ern nicht mehr. Das zumindestens könntet ihr in eure Analyse mal einbeziehen.

Was tun?

Die radikale Linke hat leider nicht die Stärke internationale Brigaden zu schicken und das Potential an emanzipatorischen Kräften weltweit ist seit dem Zusammenbruch der UDSSR absolut marginalisiert. Ein Beziehen auf einen „Widerstand“ kommt deshalb nicht in Frage, da er keinen Deut an Verbesserung bedeutet. Vielmehr wäre es an der Zeit, die Situation grundlegend zu analysieren und sich Positionen zu erarbeiten, die nicht eine bloße Kopie des Antiimperialismus der 70er Jahre darstellt.

Und hier konkret: für alle die, die es unvereinbar finden in der einen Woche gegen die Faschisten der NPD vorzugehen und in der nächsten die Faschisten in Afghanistan zu unterstützen: zu Hause bleiben und für´s nächste Jahr mal eine Verhinderung dieses Auflaufs in Angriff nehmen!

Kein Fussbreit den Faschisten, nicht hier und nicht in Afghanistan!
Den Antikapitalistischen Block absagen!
Neue Ansätze und Analysen entwickeln, die der Situation gerecht werden!

P.S. Eine emanzipatorische Aufgabe, die man sich schon am 20.9 vornehmen könnte wäre die Verhinderung des Aufmarschs der „Lebensschützer“ in Berlin!


6 Antworten auf “indymedia-dokumentation II”


  1. 1 Wendy 09. September 2008 um 15:46 Uhr

    Jo. Müll. Aber gut, dass du es dokumentiert hast…

    *rolleyes*

  2. 2 im*moment*vorbei 09. September 2008 um 17:50 Uhr

    nee, ist eben nicht nur müll…

  3. 3 Toasty 09. September 2008 um 19:29 Uhr

    Mh… doch, Müll

  4. 4 Keta Minelli 09. September 2008 um 20:39 Uhr

    Schlecht geschrieben, verkürzte Argumentationen und dann auch noch total übertriebene Vergleiche. Also schon irgendwie Müll. Auch wenn die Verfasser nicht so ganz unrecht haben.

  5. 5 Bruce W. 11. September 2008 um 10:55 Uhr

    Neue Ansätze und Analysen entwickeln, die der Situation gerecht werden!

    Ja, das sollten die sich mal selbst zu Herzen nehmen. Andere mit Dreck beschmeißen kann jeder. Ich wette der oder die Honks, die das geschrieben haben, haben überhaupt keinen blassen Schimmer von der aktuellen Weltlage. Ich bin prinzipiell immer für neue Ansätze und Analysen offen und ich hoffe, dass die dann besser ausfallen, als das was hier dokumentiert wurde. Ich fürchte aber, dass ich da lange warten kann.

  6. 6 im*moment*vorbei 12. September 2008 um 2:16 Uhr

    müll, nicht nur müll, doch müll, irgendwie müll, dreck,…
    richtig ist, das auf dieser demo (wie auf der letzten) eine menge fragwürdiger gestalten rumrennen werden und z.t. auch zu den organisatoren gehören. wahrscheinlich wird es wieder iran-, irak, nordkorea, basken-, palästina-,… fahnen geben und alle die sich sonst über „natinalfahnen“ (also israelische oder usa-fahnen) aufregen, werden schön ihren mund halten. es wird abgedrehte „analysen“ und ns-relativierung geben und keine_r wird was dagegen sagen.undundund… deshalb ist es natürlich richtig das treiben zu kritisieren und die teilnehmenden kreise an nichtdurchknallern in die verantwortung zu nehmen.
    das der indybeitrag dafür von form und inhalt her nicht wirklich geeignet ist zeichnet ihn irgendwie als müll aus, macht den eigentlichen punkt aber nicht unwichtiger!

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