immomentvorbei plaudert aus dem nähkästchen

und wieder gibts eine neue kategorie – das nähkästchen!

„Die Redewendung „…aus dem Nähkästchen plaudern“ bedeutet etwas verraten oder jemandem etwas zugänglich machen, das ihm ansonsten verborgen bliebe, also Einblick in das Nähkästchen bieten.“ (wikipedia)

natürlich gehts dabei auf diesem blog nicht um irgendwas, sondern um politische ereignisse und schlagworte, mit denen die jüngeren meist nichts mehr anzufangen wissen. den anfang macht heute der „hamburger kessel“ und da kann uns auch wikipedia weiter helfen:

„Der Hamburger Kessel war ein rechtswidriger Polizeieinsatz am 8. Juni 1986 in Hamburg, der viel in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

Auf dem Heiligengeistfeld sammelte sich eine Demonstration, die von der Polizei eingekesselt wurde. Über 800 Personen wurden bis zu 13 Stunden lang innerhalb von Absperrketten der Polizei festgehalten.

Die verhinderte Demonstration war eine Reaktion auf das Verhalten der Polizei am Vortag, als ein Zug Hamburger Demonstrationsteilnehmer zum Kernkraftwerk Brokdorf im schleswig-holsteinischen Kleve angehalten wurde.

Die Einkesselung der Demonstranten begann kurz nach 12 Uhr mittags und endete erst lange nach Mitternacht, als die letzten Menschen abtransportiert und auf Polizeiwachen in ganz Hamburg verteilt waren. Während der Einkesselung wurde z.B. den Eingeschlossenen bis 17 Uhr der Gang zur Toilette verwehrt.

Im weiteren Verlauf des Tages kam es rund um das Heiligengeistfeld zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Sympathisanten der Eingekesselten und der Polizei.

Laut Innensenator Rolf Lange waren die Eingeschlossenen „Gewalttäter“, „polizeibekannte Sympathisanten der RAF“, „Leute aus der Hafenstraße und so genannte Autonome“. Nach anderen Darstellungen handelte es sich um einen völlig wahllos herausgegriffenen Querschnitt durch die politische Landschaft, überwiegend aus dem „gemäßigten“ Spektrum.

Der Polizeibericht dazu meldete insgesamt 838 Ingewahrsamnahmen und 22 Festnahmen, allerdings nur 15 eingeleitete Ermittlungsverfahren, 7 davon wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Der Hamburger Kessel war Auslöser zur Gründung des „Hamburger Signals“, einer Vereinigung Hamburger Polizisten, die sich öffentlich gegen diesen Polizeieinsatz aussprachen. Aus dem Hamburger Signal ging die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten e.V. hervor.

Das Verwaltungsgericht Hamburg erklärte den Einsatz später für rechtswidrig (AZ: VG 2442/86 Datum, 30. Oktober 1986) und sprach den Eingekesselten 200 Mark Schadensersatz pro Person zu, obwohl die Forderung der Anwälte nur 100 Mark betragen hatte. Die vier verantwortlichen Polizeiführer wurden vom Landgericht Hamburg wegen 861-facher Freiheitsberaubung verwarnt. Die Verurteilung zur Geldstrafe blieb vorbehalten. (Az.: 830 Js 182/86 des LG Hamburg vom 23. Oktober 1991)“


3 Antworten auf “immomentvorbei plaudert aus dem nähkästchen”


  1. 1 Szene-Opi 18. August 2008 um 16:28 Uhr

    Du solltest bei dem Stichwort aber auch den Bambule-Kessel 2022 erwähnen.
    http://de.indymedia.org/2003/02/42796.shtml
    Der Einsatz wurde auch als rechtswidrig eingestuft, und die Polizei wollte dann symbolisch jedem Betroffenem einen Euro als Entschädigung zahlen.

  2. 2 Szene-Opi 18. August 2008 um 16:30 Uhr

    2002 natürlich…

  1. 1 google-referers « im*moment*vorbei Pingback am 25. August 2008 um 19:41 Uhr
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