ghb – rapedrug?

ich hänge eindeutig zu viel im festsaal ab. erst am sonnabend war ich da auf einem hc-konzert. das ist zwar eigentlich so garnicht meine musik, aber die letzten zwei bands (“amiens” und “antitainment”) fand ich doch ganz nett und v.a. die leute vor der bühne sind echt beeindruckend abgegangen. außerdem gabs danach noch electronische tanzmusik, aber darum soll es hier grad eigentlich garnicht gehen.

ghb
gestern stand im festsall was ganz anderes an – eine veranstaltung zum thema ghb. die die wissen was das ist, denken nun sofort an vergewaltigungsdroge, krankenwagen,… und genau darum ging es auch. meines wissens zum ersten mal in berlin (und überhaupt?) sollte über das halbwissen, die vorurteile, die gefahren, (aus)wirkungen undundund von ghb gesprochen und so die aufgeregte und ausufernde diskussion versachlicht werden. auf dem podium waren dafür hans cousto (sachbuchautor und mitgründer von eve & rave), dorian mazurek (klangsucht –partyveranstalter und labelbetreiber und aktiv bei „clubculture against ghb“) und jonas gempp (musikjournalist und autor) vertreten, sowie timon engelhardt (musikjournalist) für die moderation.
leider war die stimmung im raum von anfang an recht nervig. ständig meinte irgendwer dazwischen rufen zu müssen und es begann das, was im privaten und virtuellen raum nun schon einige zeit zu beobachten ist: ein unsachliches und nutzloses rumgepöbel, bei dem sich die protagonist_innen zwar schön selber versichern könnnen auf der richtigen seite zu stehen, aber nichts – GARNICHTS! – zur lösung eventueller probleme beitragen. besonders hervorgetan haben sich da meiner wahrnehmung nach personen, die sich wohl selber der radikalen linken zurechnen würden. da wurde nun wirklich alles falsch verstanden und möglichst negativ interpretiert und ein pappkamerad nach dem nächsten aufgebaut und umgeschossen. die vertreter auf dem podium konnten nicht ausreden und schon beim einstiegsstatement von jonas begannen in den raum gerufenen koreferate. doch warum das ganze?
ghb ist zwar eine recht günstige droge und in der richtigen dosierung wohl auch ganz nett, kann aber leicht überdosiert werden und v.a. in wechselwirkung mit alkohol ernsthaftere folgen haben, als das etwa bei den anderen gängigen partydrogen der fall ist. außerdem – und das gibt der ganzen diskussion nochmal so richtig sprengstoff – wird ghb von einigen typen benutzt um es anderen menschen in den drink zu kippen, sie damit abzuschießen und anschließend zu vergewaltigen. das soll nach diversen berichten in den vergangenen monaten in berlin gehäuft vorgekommen sein und ist eine der hauptantriebsfedern für eine immer mehr aufflammende „verbots“diskussion. verboten ist ghb (nach dem btmg) zwar eh schon, aber die feiergemeinde streitet sich, ob es nicht auch sozial geächtet werden sollte. dabei ist die argumentation genauso einfach wie hirnrissig: ghb wird benutzt um menschen zu vergewaltigen und leute kacken nach unsachgemäßem gebrauch total ab, also wird das teufelszeug verbannt. leider werden dabei geich mehrere entscheidende faktoren ignoriert. es gibt menschen, die konsumieren ghb und haben spaß daran – deren anzahl ist wohl auch um einiges höher als die derer, die abkacken. diese leute werden weiter ghb nehmen und genauso wie bei allen anderen kontrollen und verboten mittel und wege finden dies zu tun. schärfere kontrollen und verbote haben – wie immer – nur zur folge, das die bedingungen für den konsum beschissener werden und damit ist niemandem geholfen.
zum thema rapedrug wurde es im festsaal dann total absurd. nachdem schon gleich zu beginn aus dem publikum das thema in nerviger art und weise „angesprochen“ wurde – noch bevor die beiträge auf dem podium so richtig ausgeführt werden konnten – wurde sich später beschwert, dass das ganze ja aus dem publikum kommen mußte. dümmer gehts echt nicht – sorry! auch die weitere argumentation zu diesem teilaspekt war an realitätsferne und moralisch aufgeladenem „wir sind die guten“-getue nicht zu überbieten: ghb wird als ko-tropfen benutzt um menschen zu vergewaltigen, deshalb muß es verboten und geächtet werden. das sexuelle gewalt ein gesellschaftliches problem darstellt, die meisten taten in der regel in beziehungen bzw. dem direkten umfeld der betroffenen passieren wurde zwar ein paar mal erwähnt, aber aus der „analyse“ und dem „lösungsansatz“ schön ausgeblendet. das ist sogar nachvollziehbar, nur leider total sinnlos: da gibt es dieses große problem sexuelle gewalt gekoppelt mit dem großen problem sexismus und überhaupt und man weiß nicht so recht was man ganz konkret dagegen tun kann. da bietet es sich natürlich an, etwas greifbares zu fassen und zu hassen. so wird eine kampagne gegen ghb(-user_innen) gestartet und so dem patriarchat vermeintlich so richtig eingeheitzt. das die widerlichen typen, die ghb für sexuelle gewalt nutzen mittel und wege finden werden ihr vorhaben in die tat umzusetzen (ob nun mit anderen substanzen oder weiterhin ghb), egal wieviele leute ghb scheiße finden und wie genau die türsteher_innen auch kontrollieren ist klar. ebenso klar ist, dass sexuelle gewalt mit hilfe von alkohol oder auch ganz ohne „drogen“ gesellschaftliche realität ist und drogen-verbote nichts bringen. das einzusehen mag einem ein ohnmächtiges gefühl verschaffen, aber dieser pseudoaktivismus ist sicher keine alternative. erst recht nicht, wenn deren vertreter_innen dann auch noch pöbelnd und besserwisserisch durch die gegend ziehen und alles was es so an anderen vorschlägen und meinungen gibt runter machen und fast schon böswillig mißverstehen.
aber es gab gestern abend auch mehrfach sinnvolle ansagen und vorschläge – die eigentlich aber auch standart sind bzw. sein sollten: ACHTET AUFEINANDER! wenn ihr zusammen auf ne party oder afterhour (die meisten vergewaltigungen gab es da!) geht, guckt wie es den anderen geht – nicht nur euren freund_innen, sondern auch der restlichen feiergemeinde. leute die abkacken brauchen eventuell wasser, bei ghb-überdosis sofort einen krankenwagen rufen. wenn ihr mal nicht auf euer getränk geachtet habt und nach dem konsum ein komisches gefühl bekommt, geht nach möglichkeit sofort zu einer vetrauensperson und informiert diese.
und grundsätzlich gilt: alkohol und ghb sind eine scheiß mischung – GHB + ALKOHOL = TATÜTATA!

mehr infos gibt es hier:
„SAFER LIFE GUIDE“
„autonomer drogeninfostand“
lara-berlin – beratungszentrum für vergewaltigte und sexuell belästigte frauen


3 Antworten auf “ghb – rapedrug?”


  1. 1 helen m. 07. Mai 2008 um 17:00 Uhr

    das war wirklich ne freakshow.
    ab irgend nem zeitpunkt hab ich auch einfach nicht mehr den sinn dieser veranstaltung gesehn, weil sich einfach nur noch alles wiederholt hat.

  1. 1 ghb/gbl aktuell in den medien « im*moment*vorbei Pingback am 09. Mai 2008 um 15:46 Uhr
  2. 2 OVERDOSED! « wider die totalverblödung Pingback am 26. Juni 2008 um 10:44 Uhr
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