volksfront gegen political correctness?

es fährt ein zug nach nirgendwo – nach konkret und jungle world wechselt jürgen elsässer nun auch noch von der jungen welt zum neuen deutschland. das ganze natürlich nicht ohne wiedermal wirres zeug zu schreiben:

Liebe Genossinnen und Genossen,
die Geschäftsführung hat meinen Arbeitsvertrag zum 29. Februar gekündigt. Der von ihr neu angebotene Vertrag war für mich unter keinen Umständen annehmbar. So endete zu meinem Bedauern meine Mitarbeit an der Zeitung zu dem von der Geschäftsführung gesetzten Datum.
Der neue Vertrag hätte für mich wesentliche finanzielle Einbußen bedeutet. Wichtiger noch: Er hätte meine Möglichkeiten signifikant verschlechtert, kontroverse Denkanstöße in der Zeitung unterzubringen. Ich hatte deshalb bereits bei Vorgesprächen darum gebeten, den alten Vertrag beizubehalten und ggf. zu modifizieren. Leider fand ich kein Gehör.
Im Hintergrund stehen inhaltliche Differenzen: Artikel von mir, die die Minderheiten- und Randgruppenorientierung der Linken kritisierten und stattdessen ein Volksfront-Konzept favorisierten, das auf die Gewinnung von Mehrheiten in der Bevölkerung setzt, wurden im Verlauf des letzten Jahres immer stärker geblockt. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es ging mir nicht darum, den Kurs der Zeitung zu bestimmen. Ich wollte lediglich ab und zu einen eigenen Farbtupfer auf die Palette setzen. Wenn aber political correctness den Pinsel führen will, wird kreatives Arbeiten unmöglich. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die Geschäftsführung, unterstützt vom Gros der Mitarbeiter in Redaktion und Verlag. Demgegenüber versuchte die Chefredaktion, den Pluralismus der Zeitung zu verteidigen, geriet dabei aber selbst unter Druck.
Ich scheide nicht im Zorn. Eher mit Wehmut. Unterm Strich werde ich unsere Zusammenarbeit in den letzten fünf Jahren in positiver Erinnerung behalten. Es gibt sehr viele sehr gute Redakteure und Autoren, zu denen ich unbedingt weiter Kontakt halten will. jW hat eine wichtige Rolle in der Linken gespielt, und daran wird sich, so hoffe ich, auch in Zukunft nichts ändern. Vielleicht könnte man es so sagen: Unsere Wege trennen sich, aber wir marschieren weiter in dieselbe Richtung. (Für diejenigen, die die Geschichte der Zeitung kennen: Das ist der große Unterschied zum Bruch 1997.) Ich selbst werde ab April für das Neue Deutschland arbeiten. Nach den beeindruckenden Erfolgen bei den Landtagswahlen im Westen und im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 stehen die LINKE und ihre auflagenstärkste Zeitung vor großen Herausforderungen. Die Situation birgt Chancen und Risiken, die sorgfältig diskutiert werden müssen. Ich freue mich außerordentlich, daß mir die ND-Redaktion die Möglichkeit bietet, in diesen spannenden Zeiten meinen Beitrag zu leisten. In diesem Zusammenhang werde ich weiter dafür werben, daß sich die Linken nicht in fruchtlosem Gegeneinander aufreiben, sondern ihre Differenzen produktiv austragen. Wetteifern wir also darum, wer der gemeinsamen Sache am besten dienen kann! Dies möge, wenn ich einen Wunsch äußern darf, auch für das Verhältnis von jW und ND gelten.
Mit solidarischen Grüßen
Jürgen Elsässer – 10. März 2008